Falsche Hitze in der TCM - Chronische Entzündungen
Ein Konzept, das in der TCM-Diagnostik immer wieder auftaucht und das viele Tierhalter zunächst verwirrt: falsche Hitze. Ist ja auch verwirrend. Hitze ist ein pathogener Faktor in der TCM und der kann zu Entzündungen führen. Die sehen mit den typischen Eigenschaften Hitze, Schwellung, Rötung, Schmerz und gestörte Funktion nach Hitze aus. Auch ein Überschuss an Yang kann zur Fülle-Hitze führen. Aber chronische Erkrankungen stellen in der Regel keine Fülle dar, sondern eine Leere. Und wie kann nun ein Leere-Muster zu Hitze, zu chronischen Entzündungen führen? Was fehlt da?
Wie falsche Hitze entsteht
Yin und Yang stehen in einem Gleichgewicht zueinander. Ist zu viel Yang vorhanden, wird es zu heiß, das ist die klassische Fülle-Hitze. Habe ich aber zu wenig Yin, wird es ebenfalls zu heiß, weil dann das Yang auch überwiegt. Das ist die sogenannte falsche Hitze. Sie entsteht also nicht durch einen Überschuss, sondern durch einen Mangel.
Betroffen sind typischerweise dünne, zarte, schlanke Tiere mit einer Aversion gegen Wärme, häufig mit einer Feuerkonstitution. Es handelt sich um ein Schwäche-Syndrom mit Yin-Mangel. Als Zeichen finden sich eine rote, trockene Zunge, wobei die Rötung nicht immer stark ausgeprägt sein muss, und ein schneller Puls als das zuverlässigere Hitzezeichen.
Beispiele beim Hund
An erster Stelle stehen Hautentzündungen, die eben nicht durch ausgeprägten Juckreiz gekennzeichnet sind. Die Tiere kratzen sich zwar ein bisschen, lassen sich davon aber gut ablenken. Typischerweise handelt es sich hier um Futtermittelunverträglichkeiten bei Hunden. Auch Autoimmunerkrankungen gehören in diese Kategorie, zum Beispiel die Sebadenitis, eine Autoimmunerkrankung gegen die Talgdrüsen. Ich hatte selbst eine Hündin, die ich siebenjährig aus dem Tierheim mitgebracht habe. Angegeben war eine diagnostizierte Futtermittelunverträglichkeit, tatsächlich zeigte sie das typische Hautbild der Sebadenitis mit den charakteristischen schwarzen Punkten an den ausgerissenen Haaren.
Beispiele beim Pferd
Beim Pferd ist das Equine Cushing Syndrom das klassische Beispiel für Yin-Mangel mit falscher Hitze. Es ist eine typische Alterserkrankung, die sich medikamentös in den allermeisten Fällen gut behandeln lässt. In manchen Fällen spricht die Therapie aber nicht oder nicht ausreichend an. Genau hier setzt die TCM-Betrachtung als Ergänzung an.
Weitere hormonelle Erkrankungen bei Hunden und Katzen
Yin-Mangel mit falscher Hitze kann auch bei vielen anderen hormonelle Störungen entstehen. Das Cushing Syndrom gibt es auch bei Hunden. Dazu kommen Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes. Katzen sind dagegen eher Kandidaten für Schilddrüsenüberfunktion, Bluthochdruck und Chronische Niereninsuffizienz.
Was diese auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Erkrankungen verbindet, ist aus TCM-Sicht dasselbe Muster, ein Mangel an Yin, der sich in Hitze-Symptomen äußert.
Yin auffüllen
Der kausale Ansatz der TCM besteht folgerichtig darin, das Yin wieder aufzufüllen, statt die Hitze auszuleiten. Grundlage hierfür ist immer zunächst die Fütterung. Bei Hunden ist in diesen Fällen das allseits beliebte Trockenfutter ungeeignet, da es allein durch die Prozessierung heiß ist und so die Hitze weiter anfeuert. Neben einer kühlenden Fütterung kommt die Kräutermischung YT41 Acht für Yin zum Einsatz. Diese klassische Rezeptur namens Zhi Bai Di Huang Wan stelle ich im nächsten Beitrag genauer vor.
